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21.05.2012   07:05 Uhr  | Silberjunge

Warten wir ab, für wen es am Ende wirklich bitter wird

Beim Lesen der folgenden Zeilen bekam ich selbst Mitleid mit mir: "Das ist bitter: Wer Anfang des Jahres Silber gekauft hat, konnte sich zwischenzeitlich bereits über einen Wertzuwachs von rund 30 Prozent freuen. Doch nun sind alle Gewinne aufgezehr t… Besonders bitter ist es nicht zuletzt für Thorsten Schulte alias den Silberjungen. Er landete im Jahre 2010 einen riesigen Erfolg mit seinem Buch 'Silber - das bessere Gold’. Darin rät er Anlegern, sich mit Investments in dem weißen Metall gegen das drohende ‚Platzen der Anleihenblase’ und gegen weltweite Inflationsrisiken abzusichern.“ Den Link zu dem Artikel der Tageszeitung "Die Welt" vom 18. Mai 2012 finden Sie hier: www.welt.de.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich im Sommer 2010 mit Hochdruck an dem Buch feilte und es im August fertig stellte bei Silberpreisen um die 18 Dollar. Wie oft schrieb ich das ganze Jahr 2010 über, dass die Rahmendaten für eine Silberhausse nicht besser sein könnten. Damals sagte ich dem Kopp-Verlag, dass das Buch so schnell wie möglich erscheinen müsse, damit es nicht zum Hochpunkt der Hausse kommt und viele Menschen zu spät auf den Zug aufspringen. Wir alle setzten gemeinsam alles daran, dass das Buch noch Ende Oktober 2010 erscheinen konnte. Wer sich die Entwicklung des Silberpreises im Vergleich zu der von Gold und Rohöl, aber insbesondere gegenüber dem DAX und Berkshire Hathaway anschaut, kann zufrieden sein.

Bitter ist es daher für mich in keiner Weise. Warten wir nur ab, für wen es in den kommenden Jahren bitter wird. Es ist durchaus interessant, wie durch wenige Worte der nicht über Vorkenntnisse verfügende Leser unterschwellig beeinflusst wird. Die letzten Aussagen in dem Artikel rücken zwar vieles gerade, aber zunächst liest der Zeitungsleser zum Rückgang des Silberpreises etwas, was ihn sehr negativ für Silberinvestments stimmt. Im Folgenden stelle ich meine Antworten auf die Fragen der Zeitung zur Verfügung, wobei ich ausdrücklich sage, dass ich den Welt-Redakteur Daniel Eckert von der Welt sehr schätze. Er ist Verfasser des Buches "Weltkrieg der Währungen".

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Interviewfragen und meine Antworten

Warum können sich Gold und Silber nicht vom Abwärtstrend des übrigen Rohstoffmarkts abkoppeln? Schließlich handelt es sich ja, wie viele argumentieren, um "wahre Werte“ oder "wahres Geld“ und nicht um Industrierohstoffe, die an der Weltkonjunktur hängen.

Es trifft zu, dass sich Gold und Silber in Abschwüngen der Rohstoffmärkte nicht davon freischwimmen können. Wir müssen aber das große Bild im Blick haben. Seit dem Tiefpunkt des deutschen Aktienmarkts am 12. März 2000 konnte der DAX um nicht ganz 185 Prozent zulegen, Rohöl stieg sogar nur um rund 109, Gold kommt auf +299 und Silber auf stolze +438 Prozent. Ich kenne keine Vermögensanlage, die praktisch eine Einbahnstrasse zum Glück ist und keine Rückschläge kennt. In der Weltwirtschaftskrise 2008/09 verlor Gold in der Spitze 34 Prozent und Silber stolze 60,4 Prozent, dennoch liegen beide Edelmetalle im Vergleich zum Rohöl und zum Dax seit dem Tiefpunkt der Aktienmärkte im März 2003 vorn.

Zünden wir also keine Nebelkerzen! Aber klar ist auch, dass im Falle von Konjunktursorgen die Inflationserwartungen zunächst zurückgehen und das Investoreninteresse an Inflationsschutzstrategien mit Gold und Silber ebenfalls abnimmt. Bei Silber kommt hinzu, dass rund 50 Prozent von der Industrie nachgefragt werden und Rezessionsängste die Preise drücken. Ein einfaches Beispiel: In jedem Auto steckt ungefähr eine Unze Silber. Werden weniger Autos gebaut, sinkt somit auch die Nachfrage nach Silber. Auch hier gilt aber: Denken wir langfristig. Augenblicklich fahren rund eine Milliarde Autos weltweit auf den Straßen. Für das Jahr 2030 wird mit über 1,81 Milliarden Fahrzeugen gerechnet. So verschwinden über 800 Millionen Silberunzen. Silber wird verbraucht, Gold gehortet. Fast alles geförderte Gold ist noch vorhanden, beim Silber wurde fast die Hälfte verbraucht oder ist anderweitig verloren gegangen.




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