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Defizit am Kupfermarkt weitet sich aus

21.10.2010  |  Eugen Weinberg
Energie

Der WTI-Ölpreis konnte gestern den Großteil der Verluste des Vortages wieder wettmachen und bis auf 82,5 USD je Barrel steigen. Neben einem schwächeren US-Dollar trugen die US-Lagerdaten zum Preisanstieg bei. Die US-Rohöllagerbestände sind in der vergangenen Woche nach Angeben des US-Energieministeriums um 667 Tsd. Barrel gestiegen. Die Rohöllagerbestände in Cushing, dem Haupthandelsort von WTI, verzeichneten sogar einen Rückgang um 1 Mio. Barrel. Damit fiel der Lageraufbau insgesamt geringer aus als erwartet und lag auch unter dem vom API am Vortag gemeldeten Anstieg. Eine gestiegene Raffinerieauslastung verhinderte einen stärkeren Anstieg der Rohölvorräte. Die höhere Raffinerieproduktion machte sich dafür in einem Anstieg der Benzinlagerbestände um 1,16 Mio. Barrel bemerkbar. Hier war im Vorfeld der Daten mit einem Rückgang gerechnet worden.

Die Destillatevorräte fielen dagegen überraschend deutlich um 2,16 Mio. Barrel, wofür in erster Linie eine höhere Nachfrage verantwortlich zeichnete. Trotz des Lagerabbaus, welcher zu dieser Jahreszeit nicht untypisch ist, liegen die Destillatevorräte noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Gleiches gilt für die Lagerbestände von Rohöl und Benzin (siehe auch Lagergrafiken auf Seite 3). In China wurden von den Raffinerien im September 8,49 Mio. Barrel Rohöl pro Tag zu Ölprodukten verarbeitet. Dies war 6,6% mehr als im Vorjahr und der zweithöchste Wert aller Zeiten. China bleibt somit die tragende Säule für die weltweite Ölnachfrage. Es gibt zudem Spekulationen, dass China seine Tankstellenpreise erstmals seit April anheben könnte. Aufgrund der danach höheren Verarbeitungsmargen könnten sich die Raffinerien dazu veranlasst sehen, noch mehr Rohöl zu verarbeiten.


Edelmetalle

Die Edelmetallpreise geben heute Morgen im Einklang mit den anderen Rohstoffpreisen leicht nach. Gold könnte in den nächsten Tagen jedoch wieder gefragt sein. Morgen und übermorgen treffen sich die G20-Finanzminister und Zentralbankvertreter in Korea, um darüber zu beraten, wie der globale wirtschaftliche Aufschwung beibehalten werden kann. Dabei dürfte auch der derzeitige "Währungskrieg" angesprochen werden. Bereits im Vorfeld des Treffens gab es von verschiedenen Delegationen dazu Äußerungen. So hat sich beispielsweise US-Finanzminister Geithner dahingehend geäußert, dass vor allem die chinesische Währung "nach allen Maßstäben unterbewertet" sei. Sollten die G20 auf keinen gemeinsamen Nenner kommen und der Abwertungswettlauf der Währungen weitergehen, dürfte dies weitere Goldkäufe nach sich ziehen.

Der Fondsanbieter ETF Securities bietet ab morgen in den USA ein physisch hinterlegtes, börsengehandeltes Produkt auf einen Edelmetall-Basket, bestehend aus Gold, Silber, Platin und Palladium an. Die Anteile werden an der NYSE Arca gehandelt und repräsentieren in einem vorab festgelegten Verhältnis die vier Edelmetalle. Die Auflage ähnlicher Produkte auf Platin und Palladium zu Beginn des Jahres hatte ein hohes Anlegerinteresse und hohe Investorenzuflüsse hervorgerufen (Grafik des Tages).

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Industriemetalle

Die Metallpreise starten mit leichten Verlusten in den neuen Handelstag, nachdem sie gestern im Zuge eines schwachen US-Dollar teilweise deutlich zulegen konnten. Die chinesischen Konjunkturdaten (z.B. BIP für das dritte Quartal, Industrieproduktion), die letzte Nacht veröffentlicht wurden, sind zwar im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Offensichtlich hatten einige Marktteilnehmer aber nach der überraschenden Zinserhöhung vor zwei Tagen, die als Zeichen der Stärke interpretiert wurde, mit besseren Daten gerechnet. Unterdessen engt sich der globale Kupfermarkt weiter ein: Das World Bureau of Metal Statistics (WBMS) berichtet für die ersten acht Monate des Jahres ein Angebotsdefizit von 161 Tsd. Tonnen. Im Jahr zuvor bestand zur selben Zeit am Kupfermarkt noch ein leichter Überschuss von 16 Tsd. Tonnen.

Da neues Angebot nicht in nennenswerten Mengen auf den Markt kommt und sich die Nachfrage weiter erholt bzw. durch die Einführung von physisch hinterlegten ETFs zusätzlich angefacht werden könnte, dürfte sich die Situation in den nächsten Monaten verschärfen. Das unabhängige Research-Institut Brook Hunt erwartet 2011 ein Angebotsdefizit von 420 Tsd. Tonnen.

Im Gegensatz dazu hat sich die Angebots-Nachfrage-Relation bei Zink und Blei nicht eingeengt. Am Zinkmarkt ist der Angebotsüberschuss laut WBMS mit 253 Tsd. Tonnen sogar fast fünfmal so hoch wie noch vor einem Jahr. Die hohen Preise für Zink und Blei sind daher fundamental immer weniger zu rechtfertigen.


Agrarrohstoffe

China dürfte in diesem Erntejahr bei Mais ein Angebotsdefizit von 7 Mio. Tonnen aufweisen. Davon geht der Analysedienst Shanghai JC Intelligence (JCI) nach der Abwärtsrevision seiner Prognose für die diesjährige chinesische Maisernte um 5,7 Mio. auf nur noch 153 Mio. Tonnen aus. JCI rechnet damit, dass dieser Fehlbetrag zu großen Teilen durch Importe gedeckt wird. Auf die heimischen Maisvorräte dürfte nach Lage der Dinge nur geringfügig zurückgegriffen werden, da sie langfristigen strategischen Zielen dienen. Zudem sind die Maispreise in China noch immer deutlich höher als auf dem Weltmarkt, was die Importe begünstigt. Die zusätzliche chinesische Nachfrage dürfte die Angebotsknappheit weiter verschärfen und spricht somit für weiter steigende Maispreise.

Auch bei Sojabohnen dürfte China seine Rolle als großer Netto-Importeur weiter ausbauen. Das Nationale Getreide und Ölinformationszentrum (CNGOIC) rechnet mit einem Importbedarf Chinas von 54 Mio. Tonnen im Erntejahr 2010/11 (Oktober bis September), was einem Anstieg um 7% gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Gleichwohl impliziert dies eine merkliche Verlangsamung der Importdynamik im Jahr 2011, bedenkt man, dass das CNGOIC für das Kalenderjahr 2010 ein Importvolumen von 53,5 Mio. Tonnen veranschlagt und die Importe im Erntejahr 2009/10 um mehr als 20% gestiegen sind.


DOE Daten: US-Lagerbestände Rohöl, Ölprodukte und Erdgas

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Terminkurven ausgewählter Rohstoffe: aktuell, vor einer Woche und vor einem Monat

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





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