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Euro bald schon ohne PIGS

14.06.2010  |  Jim Willie CB
Naturkräfte sind in Europa am Werk, mächtig und nicht gleich offensichtlich. Es ist erstaunlich, wie wenig die Finanzanalysten von diesen Kräften überhaupt Notiz nehmen. Seit dem Jahr 2007 macht eine versteckte Kraft Druck auf die finanziellen Grundfesten der Europäischen Union. Wie jede andere Fiat-Währung greift auch diese Vereinigung auf Verschuldung zurück.Vor ganzen drei Jahren sah ich noch, dass die Rendite spanischer EuroBonds nur knapp über der deutschen Richtrendite lag. Es gab aufgeregte Kommentare, die EuroBonds seien nicht homogen, der Euro daher eine Währung mit schweren Mängeln. Die Anleihen ließen sich durch Kennzeichnung in den Identifikationskürzeln unterscheiden: Deutsche EuroBonds trugen ein "X" in der ID. Also machten sich Arbitrage-Profis an die Arbeit, kauften deutsche Bonds auf und verkauften die spanischen.

Der Mangel lag im strukturellen Grundaufbau der Eurowährung, nicht beim Markt an dem die Anleihen gehandelt wurden und sicherlich nicht bei den alarmierten Spekulanten. Mit der Zeit entfernten sich griechische, italienische und portugiesische (sogar irische Bonds) deutlich von den deutschen Richtwertanleihen. Die griechischen Bonds brachen letzten Dezember als erste ein. Dieser Krisenverlauf war nicht Ergebnis von Evolution (natürliche Auslese), sondern viel eher die Entscheidung der europäischen Stammesführer. Die Griechen sind weder römisch noch teutonisch. Der Einbruch der europäischen Staatsanleihenstruktur lädt die Einführung einer goldgedeckte Währung geradezu ein, die dringend zur Stabilisierung gebraucht wird.

Eine zweite Naturkraft hat sich am gigantischen Marktplatz für Staatsanleihen breitgemacht. Auch wenn viele Polit- und Finanzanalysten deutlich machen, wie sinnvoll und klug ein intaktes Europa und eine gemeinsame Währung innerhalb der Union wäre, so ist nichtsdestotrotz eine natürlich Kraft am Wirken, die daran arbeitet, die gesamte Gruppe der PIGS-Nationen abzuspalten. Die Rede ist hier von Portugal, Italien und Spanien. Die Kraft wirkt einerseits vom zentralen Nordischen Machtkern aus, um die PIGS-Nationen aus der gemeinsamen europäischen Finanzstruktur zu drängen, gleichzeitig geht sie aber genauso von den PIGS-Nationen aus, um die Beziehungen zu lockern und einen Alleingang zu versuchen.

Ein Kontakt aus dem deutschen Bankenbereich hat wiederholt angemerkt: Die Europäische Währungsunion hat die deutsche Nation jedes Jahr über 300 Milliarden $ gekostet, das Geld war allem Anschein nach ein Wohlfahrtsprogramm, von dem die verschwenderisch ineffizienten Nationen profitierten, die solche niedrige Umlaufrenditen eigentlich nicht verdienten. Nach zehn Jahren belaufen sich die Kosten für Deutschland auf 3 Billionen $. Für Deutschland ist es keine Frage des Willens, ob nun das Wohlfahrtsprogramm für Südeuropa aufrechterhalten wird, sondern viel eher eine Frage, ob dies auch weiterhin finanzierbar ist. Sie können so nicht weitermachen. Sie können es sich nicht leisten.

Meine Prognose seit Januar: Deutschland wird Griechenland nicht helfen - aber immer die richtigen und passenden Worte finden. Die deutsche Führung legte menschliche Züge an den Tag, als zum Beispiel einige Kritiker meinten, die Griechen hätten die angeborene, besondere Fähigkeit zum Tanzen, Trinken und Singen. Seit Langem erhalte ich jetzt schon die Prognose aufrecht, dass alle PIGS-Nationen wieder zu ihren ehemaligen Währungen zurückkehren werden - die Griechen zur Drachme, die Italiener zur Lira, die Spanier zur Pesete und die Portugiesen zum Escudo. Hierbei handelt es sich um eine Prognose der Dezentralisierung sowie stärkerer lokaler Autonomie. Man muss jedoch auch sagen, dass dieser Weg ein sehr langsamer ist, mit vielen politischen Hindernissen, Sparzwängen, ökonomischen aber auch sozialen Spannungen. Also: Die Deutschen zeigten sich kooperativ hinsichtlich der Hilfemaßnahmen für Griechenland, doch als Geld geopfert werden musste, folgten plötzlich Bedenken und Diskussionen. Jackass überrascht das nicht. Der oberste Gerichtshof in Deutschland wird die Griechenlandhilfe wie auch die Nutzung des Euros an sich abweisen - alles zu seiner Zeit.


Vorteile der Rückkehr zu alten Währungen

Die politischen Ideale eines vereinten Europas sind schön und gut, aber auch mächtige Fantasterei, auf Wahnwitz gebaut und bar jeder Sachlichkeit. Es gibt deutliche nationale Unterschiede hinsichtlich Arbeitsethos, industrieller Effizienz, Steuerstruktur, Kreditpraktiken, Umfang bundesstaatlicher Bürokratie, ökonomischer Diversität, Bildungstiefe, landeseigener Intelligenz, demographischer Aufstellung, urbarem Land & warmen Klima und so weiter. Seit tausend Jahren schon gilt das Projekt eines vereinten Europas als schwer erreichbar. Auch jetzt wird es nicht klappen. Im Mittelalter hatte der Papst den größten Erfolg - mit der Einschränkung, dass seine Kirche gewaltigen Reichtum zusammengetragen hatte (selbst in Form von Gold) - genug, um geheimer Global Player zu werden.

Kommen wir an dieser Stelle zu Finanzanalysten und ökonomischen Denkzentren aus London. Sie haben sich mit einigen interessanten Ratschlägen ins Spiel gebracht - und nicht bloß mit der typischen, selbstgerechten Verteidigung ihres Systems. Stattdessen schlägt ein bekannter Think Tank der Führung in Athen einen Schuldausfall und eine Rückkehr zur Drachmen-Währung vor. Griechenland wird gedrängt, den Euro zu verlassen. Wir bewegen uns Schritt für Schritt auf eine Umschuldung der Staatsschulden Griechenlands zu sowie auf einen Stimulus für die griechische Wirtschaft durch eine entwertete Währung. Ein solcher Stimulus wäre in Griechenland nicht möglich, wenn das Land weiter am Euro-Joch hängen würde.

Britische Ökonomen schlugen Athen vor, den Euro zu verlassen und Zahlungsausfall für die 300 Milliarden $ Schulden anzumelden; das Grundmotiv ist hierbei die Rettung der griechischen Wirtschaft. Das Centre for Economics & Business Research (CEBR) aus London warnte die griechischen Regierungsvertreter vor dieser schrecklichen Bindung. Das CEBR geht davon aus, dass die Griechen der Schuldenfalle nicht entkommen können, ohne ihre Währungen zwecks Exportankurbelung abzuwerten. Griechenland muss sich der wirtschaftlichen Expansion verschreiben, was jedoch in der europäischen Zwangsjacke nicht möglich ist. Der einzige funktionierende Weg für Griechenland ist die Rückkehr zur eigenen Währung, der Drachme. Bisher ist der EU-Bailout ein schlecht verstecktes Rettungspaket für deutsche und französische Banken - und sogar Londoner Banken. Das schmutzige Geheimnis in Europa ist, dass all die anderen wichtigen Nationen große Mengen PIGS-Schulden besitzen und auch jede Nation im PIGS-Käfig besitzt ebenfalls große Mengen derselben Schulden. Würde Griechenland dem Euro den Rücken zukehren, so würde es in ganz Europa zu einem großen Bankenschock und großen Störungen kommen. Auch der Bankerplan des jüngsten Wohlfahrtsprogramms, bei dem der staatliche Sektor weiterhin die Kosten übernimmt, wäre somit untergraben. Am Ende steht immer der Ruin.




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