Wohin treibt die Finanzkrise?
19.07.2010 | Prof. Dr. Eberhard Hamer
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3. KrisensituationDurch die hemmungslose Übernahme der Bankschulden als Staatsschulden geriet vor allem das Vertrauen in den Dollar ins Wanken. Die größten Dollargläubiger - die Chinesen - mussten durch eine Großregierungsdelegation der USA beschwichtigt und ihnen Silbergarantien gegeben werden, damit sie die wertlosen Dollar nicht auf den Markt warfen. Die USA und die US-Hochfinanz mussten vor allem das schwindende Vertrauen in den Dollar bekämpfen, denn die USA brauchen pro Tag mehr als eine Mrd. Dollar Kreditzufluss aus dem Ausland, um ihre Kriegs- und Importzahlungen überhaupt weiter leisten zu können.
Als nun Russland und andere Länder begannen, die faulen Dollars zurückzuweisen und auch private Dollargläubiger in solidere Währungen - vor allem in den Euro - wechselten, waren US-Hochfinanz und US-Administration in Alarmstimmung, drohten den USA doch Zahlungsfähigkeitsprobleme.
In dieser Situation wurde plötzlich auch der Euro - als Entlastung? - weich, weil das von der dubiosen US-Bank Goldman-Sachs in seinen Betrügereien hinsichtlich des Euro beratene und kreditierte Griechenland von den US-Ratingagenturen abgewertet und zum Problem wurde.
Nach Marktgesetzen hätte Griechenland nun Staatsbankrott erklären müssen. Dies aber hätte vor allem den Banken der führenden Hochfinanz-Gruppe ca. 300 Mrd. Verluste gebracht und auch zum Ausschluss Griechenlands aus dem Euro geführt.
Kein Wunder, dass die US-Hochfinanz zum zweiten Male Haftung der Steuerzahler für ihre drohenden Verluste einforderte und die EU-Kommission für die eigene Machterweiterung die einmalige Chance sah, unter dem Vorwand der Solidaritätshilfe das letzte Souveränitätsrecht der europäischen Mitgliedsstaaten - das Haushaltsrecht - entgegen allen EU-Verträgen durch Kontrollrechte an sich zu reißen, also das höchste und letzte Souveränitätsrecht der europäischen Mitgliedsländer zu kassieren.
Beide Machtgruppen haben gemeinsam die deutsche Bundeskanzlerin - und wohl auch den Bundespräsidenten - erpresst. Damit ist nicht nur die ursprünglich private Bankenfinanzkrise durch Staatsgarantie sozialisiert worden, sondern im nächsten Schritt einer europäischen "Haftungssolidarität" auch die Staatsfinanzkrise eines Mitgliedsstaates zum Gesamtproblem aller übrigen europäischen Mitgliedsländer und diese zur Transferunion sozialisiert worden.
Wir stehen also jetzt vor der Situation, dass
- nicht nur die internationalen Spekulationsbanken unsolide bleiben, weil sie ihre Giftmüllprodukte noch nicht einmal zur Hälfte abschreiben konnten,
- auch die Finanzmärkte immer noch voller dubioser Finanzprodukte sind,
- die Finanzblase also durch den Markt noch keinesfalls ausreichend korrigiert ist,
- aber die private Finanzkrise inzwischen auch nicht nur auf ein Land übergegriffen hat, sondern auf alle Staaten Europas durch Haftungsübernahme ausgedehnt wurde,
- nicht nur der private Finanzmarkt also weiter korrekturbedürftig ist, sondern auch die Staatsfinanzen nicht nur in den USA, sondern auch in ganz Europa zerrüttet sind.
4. Krisenkonsequenzen
Da unstreitig die zügellose Geldmengenvermehrung der FED zur Dollarschwemme und Dollarentwertung, aber auch zu einer ungesunden Geldmengenvermehrung der westlichen Welt geführt hat, muss nicht nur in der westlichen Welt das Verhältnis von Geldmenge zu Gütermenge wieder korrigiert, sondern der privatwirtschaftliche Finanzsektor ebenso wie auch der öffentliche Finanzsektor saniert werden, indem
- im privaten Finanzsektor die unsoliden Kredite und Finanzprodukte eingefroren und
- im öffentlichen Finanzsektor die überzogene Verschuldung wieder abgebaut werden muss.
5. Theoretische Lösungsalternativen
Es gibt theoretisch marktwirtschaftliche und verwaltungswirtschaftliche Lösungsalternativen: