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Michael Pento: "Das Platzen der globalen Schuldenblase ist unvermeidlich"

05.09.2018  |  Mike Gleason
Mike Gleason: Es ist mir ein Vergnügen, heute Michael Pento, den Vorsitzenden von Pento Portfolio Strategies und den Autor des Buches "The Coming Bond Market Collapse: How to Survive the Demise of the U.S. Debt Market" ("Der kommende Crash des Anleihemarktes: Wie Sie den Kollaps des US-Schuldenmarktes überleben") als Gast bei unserem wöchentlichen Podcast begrüßen zu dürfen. Michael ist ein erfolgreicher Vermögensverwalter und großartiger Marktkommentator. Michael, willkommen zurück!

Michael Pento: Danke, dass Sie mich wieder eingeladen haben.


Mike Gleason: Sie haben kürzlich einen Artikel darüber geschrieben, warum es sich lohnt, den aktuellen Problemen der Türkei Aufmerksamkeit zu schenken. Es scheint einige Parallelen zur Asienkrise der späten 1990er Jahre zu geben, die weltweite Auswirkungen hatte. Die Entwicklungsländer ertrinken in auf Dollar lautenden Schulden. Wenn es zu weitreichenden Zahlungsausfällen kommt, werden die Kreditgeber in den Industriestaaten, einschließlich diverser Großbanken in Europa und den USA, ein echtes Problem haben.

In den letzten Jahren gab es an den Märkten die ein oder andere kurze Panikattacke, weil man eine Pleite in Griechenland, Italien oder Argentinien erwartete. Den Beamten scheint es bislang immer gelungen zu sein, das Problem zu verschieben und eine ausgewachsene Krise zu vermeiden. Eines Tages werden die Menschen allerdings zu ihrer Überraschung feststellen, dass der Tag der Abrechnung für all die Kredite und Schulden endlich gekommen ist. Die türkische Volkswirtschaft ist zudem deutlich größer als die griechische. Wie schätzen Sie sie jüngsten Entwicklungen dort ein, Michael? Wie ernst ist die Lage wirklich?


Open in new windowMichael Pento: Der Anteil der Türkei am Bruttoweltprodukt beträgt nur 1%, aber wir können in der türkischen Wirtschaft nichtsdestotrotz 100% aller Probleme beobachten, die die globale Wirtschaft heute belasten. Vor allem haben sie zu viele Schulden gemacht, die meisten davon in US-Dollar.

Der Gesamtwert aller auf Dollar lautenden Schulden außerhalb der USA liegt übrigens bei 11 Billionen $ und ist seit 2009 um 83% gestiegen. Ein Drittel davon entfällt auf die Schwellenmärkte. Wenn der Dollar steigt, setzt das die Währungen der Schwellenländer und damit auch ihre Volkswirtschaften also unter großen Druck. Die Wahrheit ist außerdem, dass sich die Schwellenländer in dieser Hinsicht kaum von den Industriestaaten unterscheiden und das Gleiche gilt auch für China. Die globalen Schulden haben sich seit 2007 um 70 Billionen $ erhöht. Das ist ein Anstieg von mehr als 40%! Und alles hängt von einer Sache ab, Mike. Alles hängt davon ab, dass die Zinsen nie wieder stark steigen, denn wenn sie das tun, dann bricht das gesamte künstliche Konstrukt zusammen.


Mike Gleason: Sie haben die Zinsstrukturkurve genau analysiert und weisen schon seit Langem darauf hin, dass eine Umkehr der Kurve üblicherweise ein Warnsignal ist und auf eine Rezession hindeutet. Wie ist der aktuelle Stand, Michael, und wo sehen Sie die Zinsen kurz- und langfristig? Bereitet Ihnen die Abflachung oder eine mögliche Umkehr der Zinskurve weiterhin Sorgen?

Michael Pento: Ja, das hat mir große Sorgen bereitet. Doch die Marktschreier der Wall Street tun die Tatsache, dass die Differenz zwischen der 10-jährigen und der 2-jährigen US-Staatsanleihe derzeit nur 22 Basispunkte beträgt, heute ganz schnell als unbedeutend ab. Das ist bei Weitem der niedrigste Spread, der außerhalb der Großen Rezession jemals verzeichnet wurde. Das bereitet uns aus einem ganz einfach Grund Sorgen: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist es zehn Mal zu Umkehr der Zinskurve gekommen und in neun Fällen folgte daraufhin ein ernster wirtschaftlicher Abschwung.

Es wird oft argumentiert, dass sich die Zinsstrukturkurve heute nur aus "mechanischen" Gründen abflacht und nichts mit einer eventuellen Verlangsamung der Weltwirtschaft zu tun hat. Dabei braucht man nur einen Blick auf die Währungen und Aktienmärkte der Schwellenländer zu werfen, um zu sehen, dass sich diese in verschiedenen Stadien des Rückgangs befinden.

Die Zinskurve invertiert sich, weil die US-Notenbank Fed die kurzfristigen Zinsen anhebt. Es stellt sich jedoch die Frage, warum die langfristigen Zinssätze weltweit noch immer fallen, wenn wir uns doch in einem "synchronen globalen Aufschwung" oder einer Boomphase befinden, wie die Vertreter der Wall Street es gerne nennen. Warum liegt die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries aktuell deutlich unter 3%, genauer gesagt bei 2,83%?

Warum sinken die langfristigen Zinsen, wenn wir doch globales Wachstum verzeichnen, und wenn wir zudem bedenken, dass enorme Mengen an neuen Krediten ausgegeben werden und die jährliche Inflation bei mehr als 2,9% liegt? Wir haben ein globales Wirtschaftswachstum, eine starke US-Wirtschaft und ein enormes Angebot an US-Staatsanleihen und doch fällt die Rendite. Folglich wird sich die Zinsstrukturkurve umkehren, d. h. die kurzfristigen Zinsen werden höher sein als die langfristigen.


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