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Das Risiko steigender US-Zinsen

01.10.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Denkbar ist, dass die Fed die Zinsen nicht mehr allzu stark anhebt, so dass die gestiegenen Kreditkosten die Volkswirtschaften zwar abbremsen, aber nicht in eine Rezession abgleiten lassen (Szenario 1). Vorstellbar ist allerdings auch, dass die Fed die Zinsen so lange anhebt, bis die Konjunkturen und Finanzmärkte nachgeben und dann - nachdem sich die Krisensymptome unmissverständlich zeigen - wieder auf eine Zinssenkungspolitik umschwenkt (Szenario 2).

Szenario 2 reflektiert im Kern das, was sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder abgespielt hat. Die Fed hat mit ihrer Geldpolitik zunächst einen Aufschwung ("Boom") ausgelöst, der nachfolgend jedoch eingebrochen ist und zu einem Abschwung ("Bust") wurde. Um ihn abzuwenden, hat sie die Zinsen noch stärker als zuvor abgesenkt. Nachdem die Konjunktur sich wieder erholt hat, wurden die Zinsen wieder angehoben - aber nicht mehr auf das Niveau, das vor Ausbruch der Krise zu beobachten war.

Der Grund: Die Verschuldung ist im Zuge des kreditfinanzierten Booms angestiegen. Die Schuldentragfähigkeit der Volkswirtschaften hat sich verschlechtert, so dass steigende Zinsen destabilisierende Wirkung haben. Und so erklärt sich, dass die Zinsen im Trendverlauf, im Zuge der sich mehr oder weniger regelmäßig wiederholenden Boom-und-Bust-Zyklen, immer weiter abgesenkt wurden. Ein dauerhafter "Ausbruch" aus diesem Trendverlauf ist nur schwer vorstellbar.

Solch ein Ausbruch würde nämlich das weltweite Schuldgeldsystem kräftig durchschütteln. Schließlich setzen heutzutage die Schuldner darauf, ihre fälligen Kredite durch neue Kredite zu refinanzieren, die mit (noch) niedrigeren Zinsen ausgestattet sind. Auf diese Weise bleibt der Schuldendienst tragbar, und es lassen sich zudem auch noch neue Kredite aufnehmen. Ohne den niedrigen beziehungsweise den im Trend fallenden Zins sind Produktion und Beschäftigung in vielen Volkswirtschaften nicht mehr wie bisher durchführbar.


Folgen für den Goldpreis

Steigende Zinsen üben in der Regel zwei Wirkungen auf den Goldpreis aus. Zum einen nimmt die Goldnachfrage ab, wenn die Zinsen steigen. Denn dann steigen die Kosten der Goldhaltung: Es entgehen dem Goldhalter Zinserträge, die er alternativ durch das Investieren in, sagen wir, kurzlaufende Schuldpapiere erzielen könnte. Zum anderen können steigende Zinsen den Goldpreis aber auch antreiben und zwar dann, wenn steigende Zinsen für Probleme in Wirtschaft und Finanzmarkt sorgen. Denn Gold zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus.

Erstens: Die Kaufkraft des Goldes kann nicht - anders als die der Bankguthaben und Schuldpapiere - durch die Zentralbankpolitik entwertet werden. Das ist auch ein ganz wesentlicher Grund, warum das "Goldgeld" nach wie vor überall auf der Welt für seine monetären Eigenschaften wertgeschätzt wird. Zweitens: Das Gold trägt - anders als Bankguthaben und Schuldverschreibungen - kein Kontrahenten- beziehungsweise Ausfallrisiko. Es kann, salopp gesagt, nicht Pleite gehen. So gesehen kann man das Gold mit Fug und Recht als das "ultimative Zahlungsmittel" bezeichnen.

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen.
(1) Eigenes Schätzmodell (das wir in verschiedenen Ausgaben des Degussa Marktreport kommentiert haben.)


Der aktuelle Goldpreis von etwa 1.185 USD/oz erscheint (auf Basis unserer vorsichtigen Einschätzung) nach wie vor sehr günstig zu sein (Abb. 5 a): Unsere Schätzgleichung deutet darauf hin, dass unter den herrschenden monetären Verhältnissen der Goldpreis eigentlich bei ungefähr 1.400 USD/oz handeln müsste. Zudem scheint auch nach der letzten Preiskorrektur, die Anfang 2018 einsetzte, der Aufwärtstrend des Goldpreises, der Anfang 2016 einsetzte, intakt zu sein.

So gesehen bedarf es nur noch eines "Auslösers", damit der Goldpreis seine Verteuerung fortsetzen kann; möglicherweise kommt er schon bald aus den Zins- beziehungsweise Kreditmärkten - weil sich zeigt, dass die Volkswirtschaften nicht mehr mit höheren Zinsen zurechtkommen. Wichtig scheint hier abschließend folgendes zu sein: Der Anleger sollte sich bewusst machen, dass Gold eine Währung ist, die ihm Versicherungsschutz gewährt - eine Versicherung, die zum derzeitigen Preis deutliches Wertsteigerungspotential in Aussicht stellt.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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