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Der dunkle Schatten das Papiergoldmarktes

13.08.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Papiergold als Problem

In der Tat schienen der starke Preisrückgang bei den Gold- und Silber-Futures einherzugehen mit der Erwartung, dass eine sich weiter verbessernde US-Arbeitsmarktsituation die US-Zentralbank (Fed) zu einer früheren Straffung ihrer Geldpolitik veranlassen könnte. Um die Folgen der geänderten Erwartungshaltung auf die Finanzmarktpreise vorwegzunehmen, ist es gut denkbar, dass einige Investoren sich insbesondere mit dem Verkauf (Shorten) von Gold- und Silber-Future-Positionen neu ausrichten wollten.

Der Markt für Gold- und Silber-Futures ist bekanntlich liquide, hat in der Regel ein sehr hohes Handelsvolumen - allerdings nur während der regulären Handelszeiten an der COMEX in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die asiatischen Märkte konnten mit dem Handelsvolumen am frühen Morgen ganz offensichtlich nicht fertig werden, ohne dabei gewaltige Preisausschläge zu verursachen.

Er "Flash Crash" führt ganz grundsätzlich den "dunklen Schatten" der Papiergeldmärkte vor Augen, insbesondere in Form der Futures-Märkte. Auf der einen erlauben sie es Minenunternehmen, Edelmetall verarbeitenden Unternehmen und Investoren, sich gegen ungewollte Preisrisiken abzusichern. Auf der anderen Seite bietet der Edelmetall-Future-Markt allerdings auch die Möglichkeit, "rein spekulative" Geschäfte abzuwickeln - also solche, die in keinem Zusammenhang mit der Erzeugung und Verarbeitung von physischem Metall stehen.

Das wiederum eröffnet die Gefahr, dass der Papiergoldmarkt die Preisfindung für den physischen Markt setzt - und nicht etwa umgekehrt, so dass "der Schwanz mit dem Hund bellt"; zumindest kurzfristig ist daher denkbar, dass das Geschehen im Papiergoldmarkt die Setzung der Preise im Goldmarkt - auch entgegen der fundamentalen physischen Marktlage - dominiert.


Keine Alternative zu Gold

Ein "Flash Crash" hinterlässt in der Regel Spuren: Die Anleger sind verunsichert, ihnen ist vor Augen geführt worden, dass der Marktpreis ihres Gutes plötzlich und ganz unerwartet in die Tiefe gerissen werden kann - durch Kräfte, die in einem anderen Markt, in diesem Fall dem Markt für Derivate, mobil gemacht haben.

Zudem haben der Gold- und Silberpreis in einem Umfeld enttäuscht, in dem man eigentlich hätte erwarten müssen, dass sie dem Anleger Gewinne bescheren: Die Zinsen sind negativ in realer Rechnung, die Zentralbanken sorgen für eine weltweite Geldmengenflut, die Güterpreise schnellen in die Höhe. Verständlich also, wenn Gold- und Silberanleger nun enttäuscht und verunsichert wären. Doch für langfristig orientierte Anleger gibt es keinen Grund, zu verzagen.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa. Tageswerte.


Die ungedeckten Währungen - US-Dollar, Euro & Co - verlieren ihre Kaufkraft. Dafür sorgen die Zentralbanken, indem sie die Geldmengen immer weiter erhöhen, um strauchelnde Staaten und Banken über Wasser zu halten. Stark steigende Güterpreise - die direkte Folge dieser Geldpolitik - sind bereits unübersehbar. Seit etwa August 2020 hinken die Preise für Gold und Silber dieser Entwicklung hinterher. Ein Indiz, dass sie mittlerweile erhebliches Aufholpotential bergen. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Besserung der "monetären Verhältnisse" gering ist, wahrscheinlich ist vielmehr eine Verschlimmerung der Lage in den kommenden Jahren.

Für langfristig orientierte Anleger bietet das Halten von physischem Gold und Silber eine Möglichkeit, dem nahezu sicheren Wertverlust der offiziellen Währungen zu entgehen - der aktuell vermutlich von vielen Anlegern und Investoren immer noch sträflich unterschätzt wird. Allzu überraschend ist das allerdings nicht. Denn die Politik will der Wahrheit nicht ins Auge sehen; auch nicht die Banken- und Finanzwirtschaft; und auch nicht die Mehrheit der Journalisten in den Finanzmedien.

Dass in diesem Umfeld die Bedeutung des Goldes und des Silbers als monetäre Metalle nicht gebührlich erkannt und benannt werden, ist nicht verwunderlich. Die Auffassung, man könne dem ungedeckten Papiergeld ungestraft vertrauen, wird sich als Illusion, als fataler Fehler erweisen; genauso wie die Meinung, Gold und Silber hätten ihre monetäre Funktion verloren.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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