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Die trügerische Ruhe auf den Finanzmärkten

13.11.2017  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
- Seite 4 -
US-Dollar, Gold und Silber

Zwischen US-Dollar-Wechselkurs und dem Goldpreis besteht traditionell eine negative Beziehung. Wertet der Greenback auf, geht der Goldpreis in die Knie - und umgekehrt. Der Grund: Der US-Dollar gilt nach wie vor als Weltleitwährung. Kommen Zweifel an seiner Güte auf, sehen Anleger im Gold meist einen "sicheren Hafen". Entsprechend schwindet das Interesse am Gold, wenn das Vertrauen in den US-Dollar steigt, und der Preis des gelben Metalls gibt nach. Dementsprechend zeigte sich in den letzten Jahrzehnten ein im Trendverlauf abwertender US-Dollar, der einherging mit einem im Trendverlauf steigenden Goldpreis (in US-Dollar gerechnet).

In jüngerer Zeit war interessanterweise zu beobachten, dass sich die Beziehung zwischen US-Dollar-Goldpreis verschoben hat: Obwohl der US-Dollar-Wechselkurs seit etwa 2014 aufgewertet hat, ist der Goldpreis nicht gefallen, sondern er hat sich tendenziell seitwärts bewegt (Abb. 4 (a)). Eine ähnliche Veränderung zeigt sich ebenfalls in der Beziehung zwischen US-Dollar-Wechselkurs und dem Silberpreis (Abb. 4 (b)). Allerdings ist die Preisschwankung des Silbers bei Veränderungen des Wechselkurses deutlich stärker ausgeprägt als beim Gold.

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen
(1) Zeitperiode: März 1973 bis Oktober 2017. (2) Zeitperiode: Februar 1979 bis Oktober 2017.


Wie lassen sich diese Befunde interpretieren? Wir interpretieren ihn wie folgt: Vor allem das Gold, und nachgelagert auch das Silber, sind aus Sicht vieler Anleger bedeutungsvoll(er) geworden als Absicherung gegen den US-Dollar. Wie bereits gesagt, ist der Greenback nach wie vor die bedeutendste Währung der Welt. Die anderen großen Währungen wie Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen, Britisches Pfund oder Schweizer Franken sind keine wirklichen Alternativen - zumal sie ebenfalls ungedecktes Papiergeld darstellen, mit all den damit verbundenen Problemen.

Es ist wahrscheinlich, dass, sollte das Vetrauen in den Greenback schwinden, alle anderen Währungen noch stärker in Bedrängnis geraten - schließlich sind sie ja mehr oder weniger auf dem US-Dollar aufgebaut.

Im Zuge einer "Währungskrise" werden Anleger vermutlich bestrebt sein, die ihre wachsende Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern beziehungsweise sich gegenüber dem US-Dollar abzusichern. Ein Weg dazu ist auf "erprobtes Geld" zu setzen: auf Gold, aber auch auf Silber. Für langfristig orientierte Anleger, die nach einer "effektiven Versicherung" für ihr Vermögensportfolio Ausschau halten, sind die beiden Edelmetalle besonders attraktiv.

Vor allem auch, weil sie derzeit "relativ günstig" zu haben sind - denn die trügerische Ruhe auf den Finanzmärkten hat die Nachfrage nach Edelmetallen zum Zwecke der Portfolioversicherung eingeschläfert und deren Preise abgesenkt. Man muss keine "Schwarzen Schwäne" bemühen, um das Risiko vor Rückschlägen im Konjunkturverlauf und auf den Finanzmärkten zu begründen. Gesunder Menschenverstand reicht dazu aus.


Zusammenfassung

  • Die Weltwirtschaft expandiert, auf den Finanzmärkten herrscht gute Stimmung.
  • Anlass zur Sorge geben allerdings die extrem niedrigen Zinsen und die auffällig stark gesunkenen Risikoprämien:
  • Sie deuten an, dass die Zentralbankpolitiken weitreichende Preisverzerrungen in den Finanzmärkten verursachen.
  • Das führt zu Ungleichgewichten in den Volkswirtschaften und im Finanzsystem, die sich in neuen Krisen entladen können.
  • Das Halten von Gold und Silber ist eine wirksame Versicherung gegen die negativen Folgen der Zentralbankpolitiken.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH



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