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Langer Atem zahlt sich aus für Goldhalter

06.02.2023  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
"Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später." - Wilhelm Busch


"Market-Timing"

Wer möchte das nicht: Verkaufen, wenn die Kurse auf ihrem Höchststand sind, und kaufen, wenn die Kurse ihren Tiefpunkt erreicht haben? Gelingt dem Anleger ein solches "Market-Timing", kann er beträchtliche Renditen erzielen. Doch leider: Das Market-Timing beherrschen erfahrungsgemäß nur ganz wenige. Den meisten Investoren gelingt es nicht, systematisch zu Hochkursen zu verkaufen und zu Tiefstkursen einzukaufen. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Und dabei ist zu beachten, dass ein misslungenes Market-Timing durchaus beträchtliche Kapitalverluste bescheren kann. Um das genauer zu erklären, dient nachstehend ein einfaches Beispiel.

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Nehmen wir an, sie legen 10.000 Euro in Aktien an. Sie kaufen 100 Aktien zum Kurs von 100 Euro pro Aktie. Nachdem sie gekauft haben, fällt der Kurs (für sie unerwartet) auf 80 Euro. Ihr Buchverlust beträgt 2.000 Euro, sie halten aber an ihrer Position fest. Die Aktie fällt weiter: auf 50 Euro. Sie verkaufen immer noch nicht. Die Aktien fällt weiter auf 30 Euro. Jetzt sind sie verzweifelt, wollen weitere (Buch-)Verluste verhindern, und sie verkaufen.

Ihr realisierter Verlust beträgt 7.000 Euro. Dann steigt die Aktie wieder. Aber sie misstrauen der Sache und kaufen nicht. Die Aktie steigt weiter, und endlich bei 55 Euro greifen Sie zu. Zu diesem Kurs können sie aber nur noch 54 Stück kaufen - sie haben ja 7.000 Euro ihres Anfangskapitals verloren. Der Kurs steigt weiter auf 120 Euro. Ihre Aktien sind 6.480 Euro wert - sie haben eine Negativrendite von 35 Prozent eingefahren. Hätten sie auf "Buy-and-Hold" gesetzt, könnten sie sich über eine Rendite von 20 Prozent freuen.

Und noch etwas ist im Rahmen einer Market-Timing-Strategie zu beachten. Und zwar sind es häufig nur relativ wenige Handelstage, die von herausragender Bedeutung für den Investitionserfolg sind. Das soll beispielsweise illustriert werden für den Goldmarkt. Abb. 2 zeigt für die Periode 1. Januar 1999 bis zum 27. Januar 2023 die täglichen Preisänderungen des Goldpreises (in USD/oz) in Prozent.

Im Durchschnitt betrug sie 0,035 Prozentpunkte pro Tag. Weiterhin ist zu erkennen, dass der Goldpreis auf Tagesbasis ganz erheblich geschwankt hat - mit kräftigen Ausschlägen nach oben und unten. Das legt die Vermutung nahe, die Investitionsrendite im Betrachtungszeitraum könnte in entscheidendem Maße von den Preisbewegungen an relativ wenigen Tagen beeinflusst worden sein. Um das zahlenmäßig näher zu bestimmen, haben wir die Auswirkung untersucht, wenn der Anleger die besonders renditestarken Tage verpasst hätte. Das Ergebnis zeigt Abb. 3.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa. (1) Zeitperiode: 1. Januar 1999 bis 27. Januar 2023. 6280 Datenpunkte für die Tagesrenditen.


Hat der Anleger Anfang 1999 Gold (in USD) erworben und bis zum 27. Januar 2023 gehalten, konnte er eine jahresdurchschnittliche Rendite von 7,9 Prozent erzielen. Hätte er hingegen anstelle einer "Buy-and-Hold"-Strategie auf eine Market-Timing-Strategie gesetzt, und hätte er dabei diejenigen fünf "besten" Tage verpasst (also die Tage, in denen die höchsten Goldpreissteigerungen zu verzeichnen waren), wäre seine jahresdurchschnittliche Rendite nur noch 6,5 Prozentpunkte.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa. (1) Zeitperiode: 1. Januar 1999 bis 27. Januar 2023. 6280 Datenpunkte für die Tagesrenditen.


Hätte der Goldanleger die zehn besten (renditestärksten) Tage verpasst, wäre seine Rendite auf 5,4 Prozentpunkte gesunken, und hätte er die besten 30 Tage verpasst, läge sie bei nur noch 2,0 Prozent.

Doch welche Tage erweisen sich als besonders renditeträchtig? Im Vorfeld lässt sich das nicht sagen, die ehrliche Antwort lautet: Man weiß es nicht ex ante! Nun könnte man auf den ersten Blick die Renditeverluste, die durch ein unglückliches Market-Timing verursacht wurden, vielleicht als "gering" und verkraftbar ansehen. Doch das wäre kurzsichtig. Schon wenige Prozentpunkte sind für den Investitionserfolg über mehrere Jahre hinweg gesehen überaus bedeutsam.


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