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Das System Fiatgeld: Schrecken ohne Ende statt Ende mit Schrecken

05.08.2022  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
- Seite 5 -
Digitales Zentralbankgeld, ist es erst einmal akzeptiert, lässt sich für weitere politische Zwecke instrumentalisieren. Ich will hier nur auf Chinas "Social Credit Score" verweisen: Zugang zum digitalen Zentralbankgeld wird abhängig gemacht davon, ob sich eine Person dem Regime gegenüber wohlgefällig verhält oder nicht; Dissidenten werden bestraft, sie können nicht mehr reisen, keine Miete bezahlen, keine Lebensmittel kaufen. Zusammen mit "Digital ID" ließe es sich beispielsweise auch einrichten, dass Menschen, die gewisse politisch gewollte medizinische Interventionen nicht über sich ergehen lassen möchten, in einen "finanziellen Lockdown" gesperrt würden.

Aber auch ohne digitales Zentralbankgeld droht ohnehin eine Zentralisation, eine Kartellierung der Fiat-Geldproduzenten weltweit, die - logisch zu Ende gedacht - den Weg in Richtung einer einheitlichen Fiat-Weltwährung und einer Weltregierung ebnet. Eine wahrlich dystopische Perspektive. Ich habe übrigens die Logik, die dieser Entwicklung zugrunde liegt, in meinem Buch "Mit Geld zur Weltherrschaft" aus dem Jahr 2018 beschrieben.

Was vor wenigen Jahren vielleicht noch futuristisch klang, ist nach der Corona-Krise und den offenkundigen Bestrebungen, die Welt einem "Great Reset", einer "Großen Transformation" zu unterziehen, leider realistisch geworden: zum digitalen Impfpass, der digitalen Identität, dem digitalen Zentralbankgeld gesellt sich die Chimäre eines digitalen Welt-Fiat-Geldes.

Die Tür zur "Hölle einer weltweiten digitalen Tyrannei" ist dann nicht mehr nur einen Spalt weit geöffnet.


13.

Wie aber kann die Lösung des "Geldproblems", des Fiat-Geldproblems, aussehen? Es ist vergeblich, Hilfe von der Politik zu erwarten: dass bessere Politiker es besser machen; oder dass verantwortlichere Zentralbankräte die Fiat-Geldmengenvermehrung aufhalten würden. Aus meiner Sicht gibt es nur einen überzeugenden Weg: und das ist ein freier Markt für Geld.

Ein freier Markt für Geld bedeutet, dass du und ich die Freiheit haben, das Geld zu verwenden, das wir für unsere Zwecke am vorteilhaftesten ansehen; und dass jeder die Freiheit hat, seinen Mitmenschen ein Gut anzubieten, das diese als Geld zu verwenden wünschen. Dazu kann man dem Beispiel vieler US-Bundesstaaten folgen. Sie haben die Mehrwert- und Kapitalertragssteuer auf Gold und Silber abgeschafft. Die Bürger und Unternehmer in den jeweiligen Bundesstaaten haben dort die Freiheit, ihre Transaktionen mit US-Dollar oder mit Gold und Silber abzuwickeln.

Ein freier Markt für Geld bedeutet, auch alternative Geldkandidaten wie zum Beispiel Krypto-Währungen von hinderlichen Steuern und Regulierungen zu befreien. Im Grunde ist die technische Umsetzung, die einen freien Markt für Geld ermöglicht, denkbar einfach. Und es würde vermutlich nicht lange dauern, und die Menschen würden sich für ein Geld entscheiden. Vielleicht für ein Gold- oder Silbergeld. Im digitalen Zeitalter könnte es damit zu einer Art Neuauflage der "Mark Banco" in digitaler Form kommen - der Rechenwährung der Hamburgischen Kaufmannszunft, die über 250 Jahre hinweg höchst erfolgreich ihre Gelddienste verrichtete.

Leider stehen jedoch der Idee des freien Marktes für Geld noch - und das sollte aus meinen bisherigen Ausführungen hervorgegangen sein - beträchtliche ideologische Hürden entgegen. Ludwig von Mises hatte sie 1923 wie folgt identifiziert: Man irrt … sehr, wenn man meint, man könnte wieder zu geordneten Währungsverhältnissen gelangen, ohne daß sich in der Wirtschaftspolitik Wesentliches zu ändern brauchte. Was zunächst und in erster Linie nottut, ist die Abkehr von allen inflationistischen Irrlehren.

Doch diese Abkehr kann nicht von Dauer sein, wenn sie nicht durch vollständige Loslösung des Denkens von allen imperialistischen, militaristischen, protektionistischen, etatistischen und sozialistischen Ideen fest begründet wird. Das Denken vieler Menschen ist aber bedauerlicherweise imperialistischen, militaristischen, protektionistischen, etatistischen und sozialistischen Ideen verfallen.

Der Staat müsse das Geldmonopol innehaben; eine Zentralbank sei gut und richtig und notwendig; Fiat-Geld sei besser als Gold- und Silbergeld; Inflation im Sinne von politisch motivierter Geldmengenvermehrung sei akzeptabel; der Staat dürfe und solle auf Pump finanzieren; der Staat sei nicht eine Gruppe eigensinniger Menschen, die machtpolitische Ziele verfolgen, sondern quasi als Staat selbst eine handelnde Wesenheit, die, obgleich als solche unsichtbar, in Symbolen und Hymnen zu verehren sei (Etatismus); und vieles andere mehr.

All das ist Ausdruck der ideologischen Geisteshaltung, die so oder in ähnlicher Weise heute tief verankert ist im Bewusstsein und - vor allem - im Unterbewusstsein der meisten Menschen. Die Inflation unserer Zeit - eine der vielen schädlichen Folgen des Fiat-Geldes - ist damit letztlich geistigen Ursprungs. Sie ist kein Elementarereignis, sie ist das Ergebnis einer Politik und der ihr zugehörigen Propaganda. Die Überwindung des inflationären Fiat-Geldregimes erfordert zuallererst eine Änderung der Geisteshaltung der Menschen, eine Zurückbesinnung zum liberalen Ideengebäude, zur Lehre der Freiheit und des Kapitalismus, eine moralische Läuterung, die Überwindung der "Kollektiven Korruption".

Denkbar ist aber auch, dass das Fiat-Geldsystem durch eine technologische Disruption überwunden wird. Beispielsweise indem sich in einer Region der Welt ein neues Geld und das dazugehörige Zahlungsverkehrssystem herausbildet, sich erfolgreich als Referenzprojekt etabliert - und dann Schule macht, Nachahmer findet. Einige US-Bundesstaaten haben dafür ja schon die Basis bereits gelegt.


14.

Fiat-Geld bedeutet ein Schrecken ohne Ende, es hat kein Ende mit Schrecken. Es schafft sich nicht von selbst ab, sondern sein Ende muss bewusst herbeigeführt werden, weil man es loswerden will. Und das ist unumgänglich, soll die freie Gesellschaft, die freie Wirtschaft wieder aufleben - wie es die Eingangszitate von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek zum Ausdruck gebracht haben. Die Lösung, die ich vorgestellt habe, ist das Beenden des staatlichen Geldmonopols, das Ermöglichen, das Eröffnen eines freien Marktes für Geld.

Wie aber soll den solch eine Veränderung zustande kommen, so werden Sie jetzt vielleicht fragen? Wie kann ein freier Markt für Geld sich entwickeln in einer Welt, die immer unfreier wird? Verzagen Sie nicht. Nur weil wir die Lösung nicht erblicken können, heißt das noch nicht, dass es sie nicht doch geben wird.

Unterschätzen Sie die Macht der Ideen nicht. Die gesellschaftliche Entwicklung wird in letzter Konsequenz von Ideen getrieben. Gute Ideen (wie z. B. Freiheit, Eigentum, freie Märkte) können schlechte Ideen (wie z. B. Gewaltpolitik, Interventionismus, Fiat-Geld und Sozialismus) ersetzen - wenn sie ausgesprochen, vermittelt, verbreitet und wieder und wieder wiederholt werden. Der Wandel der Ideen ist möglich. Auch wenn die Widrigkeiten erdrückend erscheinen, möchte ich Samweis den Mutigen aus J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" Epos frei zitieren: Auch die Dunkelheit ist eine zeitweilige Erscheinung. Und wenn das Licht wiederkommt, wird es um so heller scheinen. Noch gibt es etwas, für das es sich zu streiten lohnt.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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